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Die Aussprache

Eine Erklärung über DS an eine besondere Mutter.


Copyright / Disclaimer

Ich habe diese Geschichte geschrieben, ich habe mit den Worten jongliert, ich habe sie ins Leben gerufen, ich habe ihnen eine Seele eingehaucht, ich bin ihre Schöpferin und Göttin, ihr Fluch.

Meine Fantasie ist ihre Realität, meine Ideen, ihr Schicksal, ich habe sie erschaffen, sie sind mein Eigentum, ihr Leben entsteht in meinem Kopf, ich banne sie mit meinen Buchstaben, so dass sie für alle lesbar sind, doch ich bestimme auch in unserer gemeinsamen Realität, liebe Leser, wer sie veröffentlichen darf und untersage das sie kopiert, vervielfältigt wird oder woanders veröffentlicht, es ist mein geistiges Eigentum, es sind meine Kinder aus Buchstaben, es sind meine Vertrauten aus meinem Kopf, es ist einfach mein!


Von Nicole O.

Ich fahre gerade zu meinen Eltern. Es ist Nachmittag und tausende Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Ich mußte sie irgendwie sortiert und geordnet bekommen, vor dem wichtigen Gespräch. Ich habe es sehr lange vor mir her geschoben und heute soll der Tag sein, an dem ich es endlich aussprechen würde, was mir schon so ewig auf dem Herzen brennt. Zig male habe ich die Aussprache mit mir selber durchgeführt, habe mir die Fakten, Erklärungen und Bedeutungen parrat gelegt. Ich habe alle Fragen die mir einfielen mit Antworten besetzt. Alles passte und war stimmig, doch nun auf der Fahrt, zu der Wohnung meiner Eltern, wurde ich erst total leer und dann war alles was ich mir in den Wochen und Monaten zurecht gelegt hatte, ein heilloses Durcheinander , als wäre ein Stapel Dokumente fein säuberlich auf einem Tisch platziert worden und *wusch* kam ein kräftiger Windstoß durchs Fenster und jedes Blatt flog in eine andere Richtung. Teils im Raum verteilt, teils aus dem Fenster geflogen, wie weiße Schneeflocken, nur viel schneller. Wie sollte man die Papiere wieder zusammen bekommen? Würde man jedes einzelne wieder finden? So fühle ich mich, als ich mein Auto einparke.


Ich stehe schon an der Haustüre, aber zögere noch. Soll ich nun klingeln und meinen erleichternden Plan ausführen? Ich könnte es auch abbrechen und über alltägliche Dinge plaudern. Erst wenn ich einen bestimmten Satz begonnen hätte, wäre die Zündschnur entflammt. Meine Hand zittert leicht beim läuten. Die Gegensprechanlage knuspert und schon höre ich das süßlich herbe "Hallo?"

Oh wie liebte ich diese Stimme! Sie war wohl das erste das ich hörte und in Gedanken das letzte an das ich denken würde. Gerührt von Erinnerungen an meine Mutter, wie sie mich immer mit dieser Stimme tröstete oder mir Schlaflieder vorsang, melde ich mich und wie durch ein "Sesam öffne dich" geht die Haustüre auf. Sie strahlt mir, wie ein Glühwürmchen in der Dunkelheit, entgegen. Ihr Altern bemerkte ich schon lange nicht mehr. In meinen Augen sah sie immernoch aus wie früher, als sie etwa 40 war.

Ein großer Schmerz macht sich bei dem Gedanken in meiner Seele breit, wieso weiß ich nicht, ich verdränge es schnell.Wir umarmen uns innig, ich fühle mich dabei wie etwas Verlorenes, dass wieder Daheim ist. Durch meine 12cm hohen Absätze bin ich größer als sie, denn Barfuß messen wir das selbe. Ich trete in die Wohnung und sogleich überfallen mich drei intensive und heimische Geruchwolken. Die eine ist eindeutig die von meinen Eltern, denn jede Wohnung hat einen eigenen Geruch, von der jeweiligen Famile, in die Wände, Decken und Böden eingesaugt. Der Zweite ist frisch aufgebrühter Kaffe und dritter und letzter Geruch ist leicht verflogener Marmorkuchen, den meine Mutti immer für Besucher backt.


Wir setzten uns an den Tisch, der schon gedeckt ist. Meine Nase hat mich nicht getäuscht. Es gab selbstgebackenen Marmorkuchen mit Sahne und dampfenden Kaffee. Mit schon hundertmal ausgeführten Bewegungen, bestückt sie unsere Gedecke, doch das meines Vaters bleibt leer. Gerade als ich einen fragenden Blick ansetzen will, antwortet sie schon:

" Er steht im Stau, aber wird bald hier sein. " Das trifft sich gut, denn ich wollte es sowieso lieber nur meiner Mutter sagen. Als wir schon essen spüre ich, dass sie wartet. Sie wartet auf das was sie schon lange ahnt, ein offenes Gespräch von Frau zu Frau. Sie hat schon lange darauf gewartet, doch sie weiß das es nun soweit ist. Mütter und Töchter haben schon eine besonders innige Beziehung zueinander.


Ich wage es und setze an, entflamme die Zündschnur: " Ich habe dir etwas zu erklären. Naja, also ... wo fange ich nun an.. ?"Ich beginne ihre Sommersproßen zu betrachten, dass machte ich von klein auf, es beruhigte mich ungemein. Überall waren sie, in ihrem Gesicht, auf ihren Armen, ihren Beinen, einfach überall.

"Ach mein Mäuschen!" Diese drei Worte drückten sovieles aus und bewegten einiges in mir, aber vorallem machte es ihre Einstellung mir gegenüber deutlich. Sie sieht mich als kleines Kind im Alter von wieviel Jahren? Vielleicht sechs? Vielleicht acht? Ob sich das durch das Gespräch ändern wird?

"Du weißt doch genau das ich dich immer liebe und lieben werde, egal was du nun sagen willst, also leg nicht soviel Wert auf die Wortwahl und rede einfach los!"

"Ok Mami, sei aber bitte nicht entsetzt oder angewiedert." Sie nickt kaum merklich und strahlt ihre volle, mütterliche Wärme aus. Es gibt mir das Gefühl nichts falsches sagen zu können, nichts das sie mir abstimmig machen würde.


"Ich mache, nein anders, ich entdeckte vor eingiger Zeit, durch ein Telefonat mit einem Bekannten, dass ich etwas anders bin als die Mehrheit der Frauen."

Ihr Lächeln hat sich nicht verändert, dass beruhigt mich.

"Bis jetzt hatte ich normale Beziehungen zu normalen Männern, doch ich ... ich merkte auch immer das mir etwas fehlt, etwas das sie mir nicht geben konnten. Ich machte mir nie weitere Gedanken darum .... Jedenfalls, bei einem Telefonat kapierte ich langsam WAS es war. Ich suchte immer jemanden der .... der stärker ist als ich. Jemand, der mich beherrscht. Ach Mami, du hast mich zu einem starken Menschen erzogen, aber ... naja, wenn ich eine Beziehung habe, dann ist das eben anders!"

Ich traue mich kaum ihr ins Gesicht zu sehen, also lasse ich es lieber.

"Ich will bezwungen werden, ich will das er die Kontrolle über mich hat. Ich habe etwas experimentiert und gemerkt das ich Schmerz mag, nicht weil er mir Lust bereitet, sondern Demut. Es fällt mir schwer dir das zu sagen, darum zögere ich auch etwas, aber ich muß es endlich los werden. Du fragst dich bestimmt wie das passieren konnte, oder warum es so ist."

Ich spreche weiter ohne eine Reaktion abzuwarten, aus Angst sie könnte negativ sein.

"Ich weiß selber nicht warum, ich weiß das es zu SM dazu gehört, dass es ein Teil ist den man DS nennt, aber ich weiß wirklich nicht warum ich es mag. Jeder weiß das SM Sado- Masochismus bedeutet, aber die wenigsten haben eine richtige Vorstellung davon, weil es in den Median meistens falsch dargestellt wird. Es ist nicht einfaches drauf schlagen, teilweise bis man ins Krankenhaus kommt, naja normalerweise jedenfalls nicht. Es gehört viel mehr dazu! Man muß sich vertrauen und man muß den anderen einschätzen können. DS jedenfalls heißt ausgesprochen Domination und Submission. Weißt du, ich sage immer SM ist die körperliche Ebene, DS die Psychische. Bei DS geht es mehr um das Vordern und Nachgeben, um das kämpfen, um Regeln und Strafen, um Führung und Erziehung. Ich weiß nicht warum ich es mag, ich genieße es einfach und brauche es, so verrückt es sich auch anhören mag. Ich habe mich auch schon mit anderen darüber unterhalten, die es nicht mögen und egal was ich sagte, sie verstehen mich nicht. Eine Freundin von mir meinte zb das sie nicht auf das Fetischschiff gehen will, wo es ja wirklich nett zugeht, weil sie Angst habe, dass sie jemand ankrampscht und wenn sie ihm dann eine Ohrfeige gibt, er mehr will. Aber so ist das garnicht! Man wird auf solchen Feten ja nichtmal angekrampscht!"


Ich bin in einem solchen Redefluss das ich sie nicht mehr zu Wort kommen lasse, was sie nicht einmal versucht. Sie ist der stille Typ der gerne zuhört und abwartet.

"Weißt du im Fernsehen wird es immer dargestellt als hällt einer seinen Po hin und der andere haut drauf, das machen vielleicht welche, aber eigentlich sieht sowas anders aus. Es ist doch nicht einfach zu wissen, gleich tut es weh und man aktzeptiert es. Es ist doch eigentlich eher so, dass daraus ein Machtkampf entsteht, aus dem der passive Teil gerne als Untergebene rausgeht. Es ist ein ständiges austesten und gemeinsames überschreiten von Grenzen. Wenn man es zusammen schafft eine Grenze nieder zu reißen, dann ist man ungemein stolz darauf und es bringt gegenseitiges Vertrauen, Vertrauen wie es in vielen normalen Beziehungen kaum möglich ist. Wenn du es von der wissenschaftlichen Ebene sehen willst, sind viele Masochisten einfach süchtig nach körpereigenen Drogen, die bei Schmerz ausgeströhmt werden, vergleichbar mit Extremsportlern wie zb Freeclimbing oder Bunjeejumping.

Aber ich will es dir von der seelischen Seite zeigen, wie ich mich dabei fühle. Schau mal Mami"

Ich zeige auf mein Halsband das man als solches kaum erkennt. Es ist ein Halsreif aus massiven Edelstahl, dass mit einem Imbus verschlossen wird.

"Das ist mein Halsband von meinem Mann. Ich bin stolz darauf. Stolz darauf, dass er mich besitzen will, dass ich ihm soviel Wert bin, dass er sich die Mühe macht mich zu erziehen. Du hast doch bestimmt gemerkt das er etwas anders ist, konntest es aber nicht zuordnen, nun weißt du es und ich fühle mich erleichtert.

Wenn du Fragen hast, stell sie mir, wenn du mehr Informationen willst, kann ich sie dir besorgen, es soll aber kein Geheimnis zwischen uns stehen."


Sie steht auf, geht zu mir rüber und knuddelt mich einfach, ohne ein Wort. Sie zeigt mir damit einfach, dass ihre Liebe noch genauso ist wie davor.

"Ach Mäuschen, ich habe kein Recht dich deswegen zu kritisieren! Ich will nur das du glücklich bist und wie du das machst ist deine Entscheidung. Wenn du sowas magst, ist es für mich in Ordnung. Ich vertraue deinem Mann soweit. Sei aber dennoch vorsichtig und gib auf dich acht. Wenn du irgendwann Hilfe brauchst, sag mir bescheid, ich werde immer für dich da sein!"

Lächelnd vor Erleichterun nicke ich in ihrer Umarmung und es klingelt gleichzeitig.

"Ah, dass wird wohl dein Vater sein!" Sie läßt mich aber nicht los. Es klingelt abermals, doch diesmal unangenehmer und scheppernder.


Ich bin verwirrt, denn nun verblasst alles, die Umarmung, die Umgebung, alles.Ich versuche festzustellen was los ist und bemerke, dass ich in meinem Bett liege und mein Mann neben mir. Es war alles nur ein Traum. Schmerzlich wird mir bewußt das meine Mutter kurz nach ihrem 40. Geburtstag starb, als ich gerademal 12 Jahre alt war. Eine Träne rinnt sich meine Wange runter und ich kann dennoch weiter lächeln, weil ich nun endlich meine Aussprache mit meiner Mutter hatte und spüre das sie immer für mich da ist, wenn auch weit weg....


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